Hans im Glück – der etwas andere Minimalismus

Der Impuls zu diesem Text kam mir bei der Zeitungslektüre im Urlaub Ende September.

Hans Kratzer berichtet in der SZ über ein Fotobuch. Der Fotograf Stefan Winkelhöfer dokumentiert darin einen Sonderling, der irgendwo bei Regensburg auf einem halb verfallenen Hof wohnt.

„Was kaputt ist, braucht er auch nicht mehr“.

Das ist mal ein Ansatz zur Reduktion.

Das Gesicht des Bauern schaut einen ein wenig naiv, verträumt, a bisserl geschlampert und total zufrieden an. Alter schwer schätzbar wahrscheinlich 70+. Der braucht wirklich nur seinen Trecker, seine Kühe, wohnt und lebt in einer Stube ohne Zentralheizung und Badezimmer … ein echter Hans im Glück.

Das ist radikaler als Ich selbst, intellektuelle Wohlstandsminimiererin, die den eigenen Luxus in skandinavischer Ästhetik und Mason Jars in Form bringt.

Der Artikel hat mich nachdenklich gemacht. Minimalismus, ein Megatrend, hippe neue Ästhetik in neutralen Farben, ein urbaner Lifestyle am besten auch noch vegan mit Capsule Wardobe und das Tiny House nach KonMari durchgestylt …. Minimalismus scheint im Mainstream angekommen zu sein.

Was bedeutet das Wort „Minimalismus“ … es gibt im Deutschen ein andere wunderbare Entsprechung — die „Genügsamkeit“! Das tönt spaßbefreit, eher langweilig und fast schon spießig, oldschool und uncool und irgendwie frömmlerisch und anstrengend. Doch es trifft genau den Kern!

Genügen, das bedeutet ausreichend zu haben, genau das richtige Maß und nicht zu wenig und nicht zu viel. Da schwingt freiwillige und eher lustvolle Selbstbeschränkung mit, der positive Verzicht.

Nicht dieses „ I want more of the LESS … „ außerdem verzichtet die Genügsamkeit auf den Absolutheitsanspruch der „Ismen“ …. diese haben immer einen dogmatischen Anstrich und sind tendenziell intolerant.

Sich genügen, gefällt mir besser, es richtet den Blick nach Innen, was brauche ich wirklich, wo beginnt meine Sattheit. Genug von den wichtigen Dingen zu haben:

Zeit, Freiraum, Freunde und Familie.

Diese Dopplung in der Bedeutung von Genug und Genügsam ist wunderschön, das geht mit „minimal“ nicht, das ist immer einschränkend und reduzierend.

Im Englischen gibt es das enough, das mit genug verwandt ist, aber das Substantiv ist nicht etwa enoughness, sondern contentedness, da steckt zufrieden drin, auch so ein deutsches Zauberwort.

ZFRIDN … alles klar 👌?!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s