# MeToo

Das Thema brennt mir nun auch richtig unter den Nägeln!!

Keiner ist so richtig von den Weinstein Enthüllungen überrascht …. passt in das Hollywood Klischée, dass sich Frauen da hochschlafen müssen. Das ist ein echter Abgrund – klar und der Typ hat, mal salopp gesagt, einen an der Klatsche und gehört in Therapie.

Doch das Phänomen ist feiner und subtiler in der Gesellschaft verankert. Ich will hier nicht die Feminismuskeule herausholen. Ich werde eigene Erfahrungen beisteuern und auf Anlässe hinweisen, wo es im Alltag beginnt.

Für alle auch interessant das Gegenpol unter: #ichwars …. bissiger Sarkasmus, beleidigte Männer ….. und viele Missverständnisse!

Ich habe nie einen wirklichen Übergriff erlebt, aber unangenehme Situationen, die so waren, wie sie waren, weil ich weiblichen Geschlechts bin!

Szene 1

Mitte der 80er, Reise nach dem Abitur mit meiner besten Freundin mit der Bahn durch Frankreich… wir kommen abends in Bordeaux an und suchen den Weg zur Jugendherberge… auf dem Weg folgt uns ein junger Mann, nordafrikanischer Herkunft, ruft uns Obszönitäten hinterher, wir schreien, laufen los, er hinterher, bricht aber schnell die Verfolgung ab … nichts passiert. Waren halt schon spät dran und um die Uhrzeit, es ist nach 21 Uhr, ist es halt in der Bahnhofsgegend unsicher. Selbst schuld, denkt frau sich da mit 19!

Szene 2

Ende der 80er …. Mädels–Urlaub in Süditalien… da ist der Übergang zwischen Flirt und Aufdringlichkeit fließend, aber kein Gang über die Piazza in Sorrent ohne Pfeifkonzert … das war nie bedrohlich, aber die ungeschriebene Regel damals (?) in Italien lautet … Männer dürfen pfeifen, Frauen nicht!

Szene 3

Zeitsprung Ende der 90er Jahre

Beruflicher Alltag, bin in meinen 30ern, gestanden im Mittelmanagement, kann mich gut durchsetzen, habe Power und mich kann so leicht nichts erschüttern!

Kundenveranstaltung in Deutschland … große Kunden wurden zu einem Event eingeladen, tolles Ambiente, edles Catering, kultiviertes Rahmenprogramm – unsere Kunden alle männlich, Kollegen zu fast 90% Männer.

Der Abend klingt an der Hotelbar aus, jeder hat etwas getrunken, die Gesamtsituation ist aber weit davon entfernt, ein Gelage zu sein. Da grapscht mich ein Großkunde an, dem schlage ich beherzt auf die Finger und gehe sofort zu meinem Kollegen, der diesen Kunden im Außendienst betreut, und sage, dass das ein absolutes NoGo ist und mich auch nicht interessiert, wieviel Umsatz der Kunde mit uns macht. Meinem Kollegen war das total peinlich. Das Ganze hatte kein weiteres Nachspiel, es gab keine Entschuldigung …

Szene 4

10 Jahre später, ein anderes Unternehmen, aber ähnliches Setting: Kundenbindungsveranstaltung, festliches Dinner, diesmal unsere Top Kunden aus Belgien. Ich sitze neben dem größten Kunden, seine Frau uns schräg gegenüber, wir smalltalken, das Übliche, der Herr ist trinkfest, aber weit davon entfernt angetrunken zu sein. Irgendwann zwischen Vorspeise und Hauptgang legt er seine Hand auf meinen Oberschenkel. Die stoße ich energisch weg und zische ihn giftig an, er solle das gefälligst lassen.

Die Situation eskaliert nicht weiter. Ich rede nach dem Essen mit meinem Chef darüber, und sage, dass ich mich Laufe der weiteren Veranstaltung nicht mehr in die Nähe dieses Grapschers begeben werde! Auch hier volles Verständnis, aber niemand stellt diesen Kerl zur Rede! Mir tut seine Frau leid.

Und interessanterweise sprach ich just gestern mit einem anderen Kollegen über diesen Kunden, den es immer noch gibt — Zitat: „Jaja, den darf man nie neben Frauen setzen!“. Das zeigt, wie wir gesellschaftliche Workarounds bauen, aber nie das Problem an der Wurzel anpacken.

Szene 5

Eine letzte Episode, die überrascht wenig, denn sie spielt in Indien und inzwischen weiß die ganze Welt um die Frauenfeindlichkeit in Indien. Ich erzähle sie zur Abrundung. #MeToo gibt es in jedem Land, in jeder Kultur, nur die Ausprägungen sind unterschiedlich.

Ich reise seit vielen Jahren regelmäßig nach Indien, kenne mich aus, weiß, wo und wie ich aufpassen muss, achte auf meine Kleidung.

Und dennoch … Neu Delhi – wir hatten ein Vertriebsmeeting und meine Kollegin und ich warten auf den Fahrer, der uns zurück ins sichere 5 Sterne Hotel bringen soll. Unser Büro liegt nicht in der allerbesten Gegend und meine sehr netten, männlichen indischen Kollegen wissen um die Risiken, sie haben alle selbst Frauen und Töchter. Also warten drei Kollegen zusammen mit uns.

Es ist gegen 22:00 und wir stehen draußen, und da kommt ein Trupp junger Männer um die Ecke, so 6 bis 8 Männer …. numerische Überzahl. Automatisch bilden unsere Kollegen einen Kreis; die Gang kommt nah an uns heran, bleibt kurz stehen und es fallen ein paar ruppige Worte auf Hindi. Außer gierigen, unverschämten Blicken passiert jedoch nichts. Doch es ist diese bedrohliche Atmosphäre, wir beiden Frauen schauen uns wortlos an und denken genau dasselbe. Da ist dieses Gefühl des Ausgeliefertseins und zum Objekt werden und komplett hilflos zu sein, das nur, weil man weiblich ist. So fühlt sich Diskrimierung an.

Und nun ? Was tut frau gegen die alltäglichen, normalen, minimalen sexuellen Anspielungen, von Übergriffen kann noch nicht die Rede sein … das sind eher blöde Sprüche und verletzende Witze. Wenn frau sagt: „ Hey, das ist nicht ok!,“ ist frau gleich die Emanzenzicke, überempfindlich und überhaupt völlig humorlos. Und die Kritik, die man so äußert hat Null Wirkung, das ist das wirkliche Ärgerliche!

Vielleicht sollte frau mal „böse“ Männerwitze sammeln ….

Doch im Ernst — dranbleiben und verbale Entgleisungen deutlich & abgeklärt zu benennen, nicht aus der Position der eigenen Verletztheit, sondern mit dem Distanz der Beobachterrolle, nur so wird es sichtbar und nur was man und frau sehen können, kann verändert werden.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Namika sagt:

    „Das zeigt, wie wir gesellschaftliche Workarounds bauen, aber nie das Problem an der Wurzel anpacken.“ Gerade sowas zeigt eben leider, wie akzeptiert diese Übergrifflichkeit ist und, wie du richtig anmerkts, man kann als Frau kaum etwas darauf erwidern, weil man nur als prüde oder Spaßbremse o.ä. abgestempelt wird. Zurückzutreten mit ebensolchen Aktionen und Sprüchen ist sicher nicht das Richtige, aber vielleicht gibt es ja ein paar Männer, die sich diese vielen Beiträge zu Herzen nehmen und dann z.B. als Kollegen auch mal einen Satz gegen den Kunden sagen anstatt des Geldes oder Ansehens wegen das Maul zu halten und die Frauen mit diesem unangenehmen Gefühl der Gleichgültigekeit zurückzulassen. Jeder Beitrag zu diesem Thema ist wichtig.

    Gefällt 1 Person

  2. FrauKunst sagt:

    Danke! Ich stimme dir vollkommen zu. Ich habe in der vergangen Woche einige Artikel und Kolumnen gelesen, die wertvolle Gedanken und Überlegungen enthalten haben. Letztendlich habe ich versucht, meine Erfahrungen und Gefühle aufzuschreiben. Vielleicht hast du Lust meinen Text zu lesen. Und – viel wichtiger – deine Eindrücke zu meinen Gedanken mit mir zu teilen.
    https://frauk.blog/2017/11/16/vor-dem-gerichtstermin-pruefe-ich-mein-erscheinungsbild-metoo/

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s