Leseprobe

Die Farben der Macht
MADELISA

19 Farben. 30 Jahre Macht.

Espresso Brown

Ein unnachgiebiges, tiefes Braun mit bitteren Untertönen.
Die Farbe der endgültigen Trennungen und der Momente, in denen Systeme sich ihrer störenden Elemente entledigen.
Vermittelt Endgültigkeit ohne Versöhnung und Konsequenz ohne Mitgefühl. Am intensivsten, wenn es ohne Vorwarnung serviert wird.

Bittere Wahrheit.
Das Schwere schwingt überall,
schweigende Tat.

Rauswurf

Dottore hatte entschieden: Madelisa übernahm die Gesamtleitung: Marketing und Produktmanagement unter einem Dach. Der Marketingleiter sollte künftig an sie berichten.
Im wöchentlichen Meeting bereitete der Dottore den Espresso. Die Siebträgermaschine fauchte, der Duft hing schwer im Raum. Er stellte die kleinen Tassen hin, bot Zucker an, beiläufig, als wäre es Routine.

»Unser Marketingleiter«, sagte er und rührte seinen Kaffee.
»Er passt nicht mehr zu unserer Strategie.«
Madelisa nahm einen Schluck. Bitter, perfekt.
»Sie wollen, dass ich seinen Job übernehme.«
Der Dottore lächelte, ein kurzes Zucken.
»Ja und ich will, dass Sie dafür sorgen, dass er geht.«
»Und wenn er nicht will?«
»Dann müssen Sie ihn überzeugen.«

Er war kein schlechter Mitarbeiter. Zuverlässig, fleißig; die Sorte Mensch, die nie auffällt. Seine Stärke war Routine: jeder Messestand gleich gut, gleich langweilig. Alles funktionierte, nichts begeisterte.

Madelisa führte die Gespräche. Erst freundlich, dann deutlicher. Sie sprach von neuen Ideen, der Notwendigkeit, Dinge zu testen:
»Mit diesen Konzepten gehen wir ins Risiko.«

Für ihn klang es wie Bedrohung. Im Flur wendete er ihr den Rücken zu und nahm einen anderen Weg, sobald er sie sah.

Im Treppenhaus stand Berger, den Aktenordner unterm Arm, Zigarette im Mundwinkel. Er sah sie an, musterte sie von Kopf bis Fuß.
»Eine Gottesanbeterin«, murmelte er, fast bewundernd, fast spöttisch.
Madelisa blieb stehen. »Wie bitte?«
Er blies Rauch aus. »Klug, ruhig und frisst am Ende doch den Partner auf.«
Dann ging er weiter, als wäre es nur eine Randnotiz gewesen.

Es war ihre Stimme, die ihn hinausdrängte. Nicht die des Inhabers. Der blieb kultiviert, charmant, sauber. Madelisa machte sich die Hände schmutzig.
Am Schluss lag Geld auf dem Tisch. Abfindung, sauber geregelt.
Doch Dottore hatte es ihr überlassen, den Drecksjob zu erledigen.
Als der Stuhl frei wurde, nahm sie ihn ein. Der Dottore nickte zufrieden.

Die Cleanerin. Der Dottore blieb sauber.

» Habe ich das System benutzt
oder umgekehrt?«

Madelisa – Die Farben der Macht

Das Buch erscheint 2027

Ich informiere Dich,
wenn Du Madelisa lesen kannst.
In 19 Farben!

Aus dem Romanprojekt – Die Farben der Macht.

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