Titelbild Liebe im Glas – Grafik mit weißen Kirschblüten auf hellblauem Hintergrund, mittig weißes Textfeld mit dem Serientitel Liebe im Glas und dem Untertitel Pfifferlinge & Steinpilze

Pilzblick

Kaum zwei Meter vom Wanderpfad. Ein Miniwald aus jungen Fichten, dicht, feucht, steil. Ich schleiche hinein. Stehe da, die Füße wie Anker, das Denken im Moos.

Wer nicht im Moment ist, übersieht die kleinen orangen Tupfer. Kein spirituelles Gesetz – eher praktisches. Ich hatte ein Gefühl, bin wie ein Hund durchs Dickicht, habe visuelle Witterung aufgenommen. Und dann saß ich da. Hosenboden auf Waldboden. Die jungen Fichten pieksten mit ihren Nadeln – Akupunktur, überall. Und griff hinein: Ein Kilo, schätze ich.

Normalerweise ist Ulf der Pilzheld. Gutes Auge, feines Gespür, sehr ausdauernd. Diesmal bin ich vorne. Das sage ich nicht oft.

Er hatte weiter oben gesammelt. Steinpilze. Zwei Kilo. Wettbewerb: unentschieden.

Ein Kilo Pfifferlinge, zwei Kilo Steinpilze, eine Küche voller Pilzduft. Und die Frage, die immer kommt:
Was tun mit dem Überfluss?

Steinpilze marniert im Glas

Steinpilze mariniert

Menge ca. 2 Gläser à 300 ml

Zutaten 
1 kg Steinpilze 200 ml Apfelessig 100 ml Weißwein 200 ml Olivenöl 3 Knoblauchzehen 1 Chili 2 Zweige Rosmarin 2 Lorbeerblätter 1 TL Pfefferkörner

Zubereitung
Sorgfältig putzen, dünn schneiden. Das dauert. Sud aus Apfelessig, Weißwein, Pfeffer, Lorbeer, Knoblauch, Chili, Rosmarin. Aufkochen, Pilze hinein, kurz ziehen lassen. Nicht reden, nur rühren.

Abgießen, ausbreiten, abkühlen lassen. Finger nicht verbrennen. In Schichten einlegen: Pilze – Gewürze – Pilze – Gewürze. Mit gutem Olivenöl auffüllen. Vorsichtig schütteln, Luftbläschen raus. Dunkel ziehen lassen – und sich im Winter daran erinnern.

Pfifferlinge: frisch serviert

Menge: 2 Portionen

Zutaten 
500 g Pfifferlinge 1 Zwiebel 2 Knoblauchzehen 30 g Butter 2 Zweige Thymian 2 Scheiben Bauernbrot

Zubereitung
Zwiebel und Knoblauch in Butter, Farbe wie Karamell. Pfifferlinge dazu, geputzt, ohne Wasser. Braten, bis die Feuchtigkeit weg ist. In der Küche riecht es pfeffrig.

Etwas Thymian. Keine Sahneflut. Kein Käse. Keine Show. Nur das, was der Wald hergibt.

Dazu: Bauernbrot, schlicht. Und Ruhe beim Kauen.

Was bleibt?

Zwei Beutel Pilze. Ein Hintern voller Nadeln. Feuchte Hosen. Ein fast verlorenes Handy. Ein sportlicher Zwischenstand. Und der Verdacht, dass Sammeln immer auch Lauschen ist. Und Hanglage.

Dr. Klang murmelt aus dem Vorratsschrank:

«Steinpilz klingt nach Satzende. Pfifferling nach Zwischenruf. Beide in Öl – fast schon Literatur.»

Dagmar Wienböker

Was im Garten wächst, landet irgendwann im Glas.
Und was im Glas landet, bekommt einen Text.

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