Blüten-Kräuter-Salz
Zwölf Uhr mittags. Die Blüten sind voll geöffnet.
Schnittlauchblüten, hellviolett. Storchenschnabel, dunkelviolett und zart. Thymian, der an den Fingern klebt, noch Stunden später. Wer nach dem Mond geht, wählt Blütentage: Zwilling, Waage, Wassermann. Ich bin meist zu spät. Der Garten ruft, wenn er will.
Nach der Ernte die Kräuter eine halbe Stunde auf einem Tuch antrocknen lassen. Dann Blüte für Blüte abzupfen – beim Storchenschnabel habe ich das wörtlich genommen.

Beim Thymian habe ich Blätter und Blüten zusammen abgestreift.
Danach: ein Teil Kräutermischung auf fünf bis sieben Teile grobes Steinsalz. Von Hand mörsern, geduldig, rhythmisch, bis Duft und Salz sich verbinden. Bloß keine Küchenmaschine nehmen, die ist danach kaputt oder stumpf.
Ich habe keinen großen Mörser im Haus, portionsweise, fast schon meditativ und es dauert immer länger als geplant. Am Ende habe ich genug Vorrat für den Winter und für kleine Geschenke. Wer mag, streut zum Nachtrocknen noch eine dünne Schicht grobes Salz obendrauf, dann in Gläser füllen.

Auf Salat sieht es gut aus.
Es schmeckt nach Juli.
Dagmar Wienböker
Was im Garten wächst, landet irgendwann im Glas.
Und was im Glas landet, bekommt einen Text.

