Grafik mit weißen Kirschblüten auf hellblauem Hintergrund und dem Schriftzug Liebe im Glas – Was der Garten gibt.

Was der Garten mir gibt

Ulf steht am Herd und riecht. Nicht kocht – riecht. Er hält die Pfanne schräg, dreht einmal, hält inne. Dann greift er nach dem Rosmarin. Wenn die Sauce besonders gut wird, schreibt er das Rezept auf. Damit er es nie wieder nachkocht. Das ist dann meine Aufgabe.

Ich bin die mit den Rezepten.

Nicht die mit den Instinkten, die mit den Büchern. Mit den handgeschriebenen Zetteln aus dem ZEIT-Magazin, die nach Wolfram Siebeck riechen, oder zumindest nach dem Jahrzehnt, in dem ich sie ausgeschnitten habe. Mit dem japanischen Kochbuch, das Gomaderes in mein Leben gebracht hat und nebenbei eine Tonschale aus Japan, die ich genau einmal benutzt habe. Sie steht jetzt im Schrank. Wartet auf Ebay.

Ich halte mich für jemanden, der vorausdenkt. Die Wahrheit ist einfacher: Ich folge dem Garten. Er gibt vor, ich koche nach. Die Mirabellen werden alle auf einmal reif – also Kompott. Die Quitten hängen bis zum ersten Frost – also Gelee. Der Löwenzahn blüht genau drei Wochen – also Sirup, und zwar jetzt.

Was der Garten gibt, landet irgendwann im Glas.

Liebe im Glas ist die Serie, in der Garten und Küche zusammenkommen. Jeder Text hat ein Rezept. Jedes Rezept hat eine Geschichte. Und jede Geschichte beginnt irgendwo zwischen Erde und Kochtopf.

Artikelübersicht

Frühling

Bärlauch · Öl

Man riecht ihn, bevor man ihn sieht. Kurzes Fenster, intensiver Geruch. Wer zögert, hat die Saison verpasst.

Löwenzahnsirup · bald

Das hartnäckigste Wildkraut im Garten. Goldene Blüten, eine Zitrone, zwei Liter Wasser. Der erste Sirup des Jahres. Er schmeckt nach Mai und nach Eigensinn.

Holundersekt

Der Holunder steht seit elf Jahren an der Hausecke. Fünfundzwanzig Dolden, vier Tage Geduld. Dann Blasen im Glas und der Sommer hat begonnen.

Holunderblütengelee à la Réunion

Holunderblüten, Vanille von La Réunion, ein Zweig Estragon: gezogen über Nacht in Orangensaft. Und eine Lektion über Pektin, Geduld und das, was sich nicht forcieren lässt.

Sommer

Blüten-Kräuter-Salz

Schnittlauchblüten im Salz. Der Sommer hält sich länger, als man denkt.

Pfifferlinge & Steinpilze aus dem Wald

Kaum zwei Meter vom Wanderpfad. Ein Kilo Pfifferlinge, zwei Kilo Steinpilze, ein Hintern voller Nadeln. Was der Wald hergibt, kommt in die Pfanne und ins Glas.

Schwarze Johannisbeeren

Zehn Jahre kein Schnitt, ein Jahr ohne Ernte. Dann 1.530 Gramm von Hand gepflückt. Zwei Rezepte für schwarze Johannisbeeren, das bewährte und das verfeinerte, mit Zitronenverbene und schwarzem Pfeffer.

Was die Mirabelle hergibt

25 Kilo Mirabellen, ein Kirschentsteiner, vier Wege: Aufstrich, Senf, goldener Essig, Gin-Likör. Eine Frucht, ein kurzes Fenster, kein Zögern.

Herbst

Apfel · bald

Ein Baum, elf Jahre, 130 Äpfel in einem guten Jahr. Vierzig davon gehören den Vögeln. Der Rest muss schnell verarbeitet werden: Apfelmus, Gelee, Kuchen. Die flotte Lotte ist im Herbst meine beste Freundin.

Quittenbrot · Membrillo · bald

Der Gartenkeller riecht im Oktober wie eine Parfümerie. 180 Quitten, roh ungenießbar, eingekocht: der Geschmack von Oktober. Sechs Tage warten, bis aus dem Mus eine schneidbare Platte wird.

Tomaten · Chutney · bald

Fermentiert, säuerlich, unberechenbar. Der Herbst in einem Glas.

Sekt · aus eigenen Trauben · bald

3,9 Kilo Tafeltrauben von der Garten-Südseite. Flaschengärung in der Bügelflasche, kein Schwefel, kein Schönungsmittel. Ab Weihnachten: hoffentlich Blubb im Glas.

Der Garten gibt. Der Kochtopf nimmt. Das Glas erinnert.

Dagmar Wienböker

Was im Garten wächst, landet irgendwann im Glas.
Und was im Glas landet, bekommt einen Text.

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