Sirup von der Zitronenverbene – Ein Duft zum Schmecken
Das Wort Verbene ist allein schon schön. Auf Französisch klingt es eleganter »Verveine«. Da denke ich an eine Romanheldin im Sommer an der Côte d’Azur.
Meine erste Begegnung mit der Verveine ist bestimmt 15 Jahre her und die war nicht im Garten, sondern bei L’Occitane. Das sind mediterrane Düfte, Seifen und Kosmetik. Es war ein schlichtes Stück grüne Seife, dann ein Duschgel. Wenn ich in der Früh mit Verveine duschte, wurde ich so frisch geweckt.
Exhilarating.
Für das Flüchtige haben Parfümeure ihre Duftprosa. Ich habe ein Rezept.
Vert de la Verveine
Ein helles, ätherisches Grün, das sich weigert, festgehalten zu werden. Der Duft des Versuchs, etwas Flüchtiges zu bewahren, und der Gärten, die im Winter kahl wirken, aber nicht tot sind. Verspricht nichts und bleibt trotzdem. Am deutlichsten im ersten Wisch über das Blatt, kurz bevor er sich schon wieder auflöst.
Nach der Dusche kam der Garten und die fehlende Winterfestigkeit. Ja, im Berggarten überlebt die Dame aus Südamerika nicht. Es gibt auch eine Ziervariante mit schönen lila Blüten.

Die ist wunderschön und nach dem Winter einfach verschwunden. Jetzt gibt es bei mir nur noch Zitronenverbene im Topf. Das Überwintern ist wirklich kurios, im Frühjahr darf sie wieder raus, definitiv nach dem Eisheiligen, aber dann ist sie ganz kahl. Die nackten Stängel fühlen sich trocken und holzig an. Und ich frage mich, ist die jetzt tot?
Ist sie nicht. Ich entdecke kleine grüne Tupfer und streiche über die dürren Äste.
Es regt sich. Es riecht schon.
Jetzt steht die Verbene am Teich und ich habe beschlossen, diesen Duft einzufangen. Unbedingt.
Mephisto: »Nichts als Illusionen! Ätherische Öle einzufangen. Sinnlos. Warum heißen die wohl flüchtig?«
Dr. Klang: »Sagt der, dessen Geruch nie verfliegt.«
Eigentlich hat mich die Substackerin Jessica darauf gebracht, die ein Foto von ihren Verbenen teilte. Ich bin dann gleich den Garten gesprungen und habe ein Sieb voll geschnitten. Nur die frischen grünen Triebe.

60 Gramm habe ich geschätzt, es sind aber nur 19 Gramm geworden. Volumen täuscht über Gewicht. Eine YouTuberin meinte, man sollte einen überwürzten Sirup machen. Also ein Super-Sirupkonzentrat, um Zucker zu sparen. Mir ist das egal, ob in der Limonade nur 1 TL oder 1 EL Sirup drin sind.
Sirup kann jeder: Zucker und Wasser 1:1 mischen, kochen, auf 75 Grad abkühlen und dann das warme Zuckerwasser über die Zitronenverbene und etwas Zitronenschale geben.
Diese YouTuberin hat die Blätter mühsam abgezupft, weil in den Stängeln wohl Bitterstoffe sind. Ich habe nur die zarten neuen Triebe genommen, also bleiben die Stängel dran. Viel, viel einfacher und schneller.
Ich mag Rezepte für Faule.
Das Ganze 24 Stunden stehen lassen, abseihen, Zitronensaft und ein wenig Zitronensäure hinzufügen auf gut 80 Grad erwärmen und in sterile Flaschen abfüllen. Aus meinem Ansatz mit 800 g Läuterzucker sind 600 ml Sirup geworden. Der hält dunkel gelagert ein halbes Jahr – bei mir eher nicht, das wird schneller weggetrunken.
Was bleibt?
Die Frage, ob man Duft schmecken kann und ob ich die Zitronenverbene wirklich eingefangen habe.
Dagmar Wienböker
Was im Garten wächst, landet irgendwann im Glas.
Und was im Glas landet, bekommt einen Text.

